3. Februar - Plan B
Wir sind den Tag angegangen in dem Gefühl, dass wir zumindest weitere Aufnahmen rund um das Meer machen und haben die Hoffnung nicht aufgegeben, dass Hendrik doch noch zu uns stoßen würde. Unseres Erachtens nach waren die Wellen gut geeignet. Doch dann bekamen wir eine SMS von Hendrik, dass er es tatsächlich nicht schaffen würde und so waren wir auf uns fünf angewiesen und fingen erstmal an nachzudenken, was wir aus diesem schönen Ort sonst machen könnten.

© Bildschön
Von den Bersteinsammlern, 1000 Möven, Fischern und Surfern im Ort inspiriert hatten wir dann plötzlich die Idee, unser Projekt etwas mehr der Situation anzupassen, damit wir nicht ganz umsonst das Haus gemietet und die Spritkosten bezahlt haben.


© Bildschön
Die Idee war, einen Vorfilm zu Wellenlese zu drehen „Ein Tag in Klitmöller ohne Hendrik“. Der Film beschäftigt sich mit dem Leben am Meer, mit der Abhängigkeit der Surfer, Fischer und Bersteinsammler von den Wind- und Wetterbedingungen, denen sie ständig ausgesetzt sind und die sie nicht ändern können. Als Einleitung und um den Bezug zu Wellenlese zu erhalten haben wir uns als Team inszeniert und auch Hendriks Abwesenheit in den Film integriert.
Mit der Umsetzung haben wir uns dann in den nächsten beiden Tagen beschäftigt, um die verschiedenen Tageszeiten und Witterungen einzufangen und kleine Statements von den Leuten im Ort einzusammeln, die auch nur zu bestimmten Zeiten am Strand vorzufinden waren.

© Bildschön
6. Februar – Abreise
Alles in allem haben wir das Gefühl, einen schönen Film machen zu können, auch falls ein Nachdreh mit Hendrik Anfang März nicht klappen sollte.
Wir haben insgesamt 6 Stunden schönes Material gedreht.
Jetzt müssen wir uns der Digitalisierung zuwenden und sehen wie wir das Problem mit dem kaputten i-Link-Port lösen können.

© Bildschön
Alle Rechte vorbehalten einschließlich Vervielfältigung. Verwendung nur gegen Honorar und Belegexemplar. Urhebervermerk wird gemäß § 13 UrhG verlangt.
notizen dreh wellenlese klitmöller von robert 20.02.2008
Die Wellen kamen tosend auf uns zu…

© Robert Laatz
…nur unser Protagonist der steckte dann auf halbem Wege zu uns fest… unser Material haben wir dann doch bekommen, im wahrsten Sinne des Wortes, dem Wind und Wetter abgerungen….
Dank ihrer super Vorbereitung kann das Hamburger Bildschön Regie- und Produktionsteam aus Unvorhersehbarkeiten gute Idee generieren, und so waren wir als Team nicht nur gut versorgt mit den richtigen Ideen im richtigen Moment sondern auch mit schnellen und geräumigen Autos und cooler Musik für den Weg. Weiterhin gehörten zum Team der Tonmann Ronny mit Erfindungsgeist (Stichwort Damenstrumpf überm Windkorb) und ein leidenschaftlicher Koch, der eigentlich Architekt ist, der es versteht aus Strandgut Sofas zu bauen und der uns in die Ästhetik naturgegebener Formen einweihte ….nicht zu vergessen mit mir dem schlafsüchtigen Kameramann, der jede Gelegenheit zum Shopping in Expeditionsläden nutzt und immer zu viel Material mitnehmen will….
Dank dem Techniksupport von Sony mit der Kamera, einer Produktlinie deren Mitglieder sich als robuste Arbeitstiere einen Namen gemacht haben und zum Quasistandart im Prosumer Bereich geworden sind, und der noch rechtzeitig nachgelieferten Hinterkamerabedienung (passte selbst um den extra dicken Schwenkarm des Studio80 Schwenkkopfes) und einem unter solch k. o.-artiger Kombination von Sand und Feuchtigkeit absolut notwendigem Rainslicker.
Die mitgeführten Lichter haben wir mangels Notwendigkeit und der atemberaubenden Schönheit des Lichts zur beleuchtungstechnischen Verschönerung unseres Quartiers benutzt. Nicht zuletzt bewährte sich die Schlepperei des extra schweren Heavyduty-Stativs (meine neue dreibeinige Freundin) an dem konnten wir uns in den ärgsten orkanartigen Momenten auch mal festhalten. Saubere Schwenks waren dann eigentlich auch nur im Windschatten unserer eigenen Körper möglich, wenn alle dicht gedrängt einen Schutzwall bildend die Kamera umringten.
Die Gischt der anbrandenden Wellen legte sich als feiner Sprühnebel in den Wind - gut für eine Lungenkur – und die Knöchel wurden permanent von Schwaden heimtückischen Sandes umweht. Überhaupt war der Sand unser ständiger Begleiter, der am Abend aus unseren Sachen, den Zähnen, und dem Quartier gebürstet werden musste.
Kalt war´s auch, aber das kann ja einen S… nicht erschüttern, heiße Getränke in den mittäglichen Verschnaufpausen und überzählige Handschuhe und Schals wurden solidarisch geteilt…der weiter oben erwähnte Rum, der zum Meer gehört wie Fisch und Möven, versöhnte uns dann abends wieder mit Broder Vind und Søster Nordsøen. (dänisch für Bruder Wind und Schwester Nordsee)


© Robert Laatz
Die vielen Situationen, die sich ergaben waren eindrucksvolle Begegnungen mit den Menschen, die ganz ungerührt von den Tagesgästen dort ihr Leben mit dem und vom Meer einrichten. Situationen voll visueller Kraft. Bernsteinfischer, die nach dem Sturm ihre angetriebenen Schätze -millionenalt- im Mund sicher bewahren, wenn sie ihre Netze durch die Brandung ziehen oder die Dorschfischer, deren rot und schwarz beflaggten Boote beim Anlanden und Ausnehmen des Fisches von Heerscharen von Möwen umlagert werden Dazwischen taucht dann wie aus einer anderen Welt, ein in schwarzem Neopren vermummter Wellenreiter auf und bahnt sich ungerührt und zügig seinen Weg vom Strand zum Wasser. Den Blick starr auf die Wellenformationen gerichtet, und am Horizont brennt der Himmel.




© Robert Laatz
Die Stärken und Schwächen des Materials wurden nach dem Essen bei der rituellen 1:1 Mustersichtung diskutiert und als Ergebnis in den Drehplan für den nächsten Tag eingearbeitet. Unsere eigens zu diesem Zweck mitgenommene Kombination aus Aktivboxen und 7 Zoll Sony CRT Fieldmonitor erwies sich als fundamental zur Beurteilung aufnahmetechnischer Parameter. Für mich als Bildgestalter war es wichtig eine Möglichkeit zu haben, das Material ohne großen Aufwand auf seine Gradingmöglichkeiten zu prüfen.
Unsere Drehpraxis musste sich an der optischen und mechanischen Predisposition des ½ Zoll Formates in Punkto Tiefenschärfe orientieren, wobei die Vorzüge dieser Kameraklasse und besonders der Z1 speziell für das dokumentare Drehen, ganz eindeutig in der Kombination von extremer Agilität, Robustheit und Feintuningmöglichkeiten liegen. Das hat natürlich Einfluss auf das optische Konzept, lässt aber trotzdem episches, visuell hochwertiges Erzählen zu.
Mit der schnellen (ohne Menüumweg) stufenweisen Beeinflussung des Weißabgleichpresets, lässt sich der Postproduktionsaufwand reduzieren und man hat schon während des Drehprozesses Einfluss auf die farbdramaturgische Gestaltung. Ein echter Pluspunkt aus meiner Sicht.
Die wählbare Belegbarkeit der Assign-Tasten haben mir die Kommunikation mit der Kamera erleichtert besonders wenn die Hände in Handschuhen stecken, oder unter einem Regenschutz sich blind bewegen müssen.
Der optische Zoombereich des Objektivs ist komfortabel, aber sollte sujetabhängig im Telebereich durch Einsatz eines Konverters aufgestockt werden.
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